Die Individualbesteuerung gilt als fairer und moderner Ansatz, da sie die Gleichbehandlung zwischen Mann und Frau gewährleisten und Erwerbsanreize stärken soll. Doch trifft dies tatsächlich auf alle zu? Eine genauere Analyse des Initiativtexts zeigt, dass dies nicht für sämtliche Familienmodelle gilt. Die Individualbesteuerung schafft neue Benachteiligungen und wird den heute vielfältigen Lebensformen in Bezug auf Familie, Beruf, Ausbildung oder Erwerbsunterbrüche nicht gerecht. Insbesondere Paare mit deutlich unterschiedlichen Einkommen, Einverdiener- Familien und gutverdienende Alleinstehende wären bei einer Annahme der Initiative betroffen, da sie mehr Steuern bezahlen müssten als heute. Zwar wird ein mögliches Korrektiv für Einverdiener- Ehepaare in Aussicht gestellt, dieses ist jedoch nicht klar definiert. Singles würden in diesem System erneut stärker zur Kasse gebeten. Die Annahme der Individualbesteuerung hätte also folgende Konsequenzen:

1. Benachteiligung traditioneller Einverdiener-Familien und Singles
2. Hohe Mindereinnahmen für Bund (mindestens 1 Milliarde Franken) und Kantone
3. Komplexere Steuererklärungen und mehr Bürokratie
4. Gesellschaftlicher Druck auf Einverdiener-Familien
5. Einen grundlegenden Paradigmenwechsel im Schweizer Steuersystem

Wollen wir ein Steuersystem, das neue Ungleichheiten innerhalb unserer Gesellschaft schafft? Dies ist eine Frage des sozialen Zusammenhalts. Mit einem  geben wir dem Parlament die Möglichkeit, ein modernes Steuersystem zu entwickeln, das für alle Steuerzahlerinnen und Steuerzahler fair ist.

Lisa Hertig, Zug