Gleichstellung entsteht nicht durch ein Formular
Die bevorstehende Abstimmung über die Individualbesteuerung wird oft als
moderner, gerechter und längst überfälliger Schritt verkauft. Doch aus
meiner Sicht lohnt sich ein genauerer Blick. Denn hinter dem
wohlklingenden Begriff verbirgt sich ein Systemwechsel, der mehr
Probleme schafft, als er löst. Unser heutiges Steuersystem ist nicht perfekt,
es gilt die Heiratsstrafe abzuschaffen, aber nicht auf diesem Weg. Die
Kantone haben das erkannt und das Problem mit einem Splittingverfahren
korrigiert. So erstaunt es nicht, dass die Kantonsregierungen vor diesem
unsinnigen Systemwechsel warnen. Alle Kantone müssten ihre
funktionierenden Steuersysteme anpassen, es müssten zusätzliche 1,7
Millionen Franken Steuerveranlagungen ausgefüllt und auch kontrolliert
werden. Dies hätte Dutzende neue Stellen in den Verwaltungen zur Folge,
mehr Bürokratie und höhere Kosten.
Dazu kommt: Die Individualbesteuerung wird als grosser Wurf für die
Gleichstellung dargestellt. Doch Gleichstellung entsteht nicht durch ein
Formular, sondern durch Verbesserungen im Alltag. Etwa durch bezahlbare
Kinderbetreuung, flexible Arbeitszeitmodelle und gezielte Förderung von
Erwerbsanreizen. Genau hier müssen wir ansetzen, statt ein komplexes
Steuersystem zu schaffen, das am Ende vor allem Mehraufwand produziert.
Die Heiratsstrafe gehört weg, aber nicht mit diesem bürokratischen
Rundumschlag. Deshalb empfehle ich ein Nein zur Individualbesteuerung!
Erich Grob, Kantonsrat die Mitte, Cham
