Die Individualbesteuerung wird derzeit als grosse steuerpolitische Errungenschaft verkauft. Ihre Befürworter, allen voran die FDP, versprechen mehr Gerechtigkeit, die Abschaffung der Heiratsstrafe und zusätzliche Erwerbsanreize. Doch hinter diesen Schlagworten verbirgt sich ein radikaler Systemwechsel mit erheblichen Nebenwirkungen, zulasten von Familien, Einverdienerhaushalten und dem Mittelstand.

Die Individualbesteuerung beseitigt die Heiratsstrafe nicht, sie verschiebt sie. Künftig würden vor allem Haushalte mit nur einem Einkommen oder mit stark unterschiedlichen Einkommen stärker belastet, während Doppelverdiener systematisch begünstigt würden. Familien, die Betreuungsarbeit leisten oder sich bewusst für ein traditionelleres Modell entscheiden, würden steuerlich bestraft. Von echter Wahlfreiheit kann keine Rede sein.

Hinzu kommt der massive administrative Mehraufwand. Eine konsequente Individualbesteuerung müsste auf Bundes-, Kantons- und Gemeindeebene umgesetzt werden. Das bedeutet deutlich mehr Steuererklärungen, höhere Verwaltungskosten und zusätzlichen Aufwand für die Steuerzahlenden. In einer Zeit, in der Effizienz und Entlastung gefordert sind, schafft diese Reform neue Bürokratie statt Vereinfachung.

Ein modernes Steuersystem muss unterschiedlichen Lebensrealitäten gerecht werden, ohne neue Ungleichheiten zu erzeugen. Genau hier setzt die Alternative der Mitte an. Die Initiative Ja zu fairen Steuern korrigiert bestehende Fehlanreize, ohne das bewährte System zu zerschlagen. Sie berücksichtigt Erwerbs- wie auch Betreuungsarbeit, stärkt Familien und erhält die Wahlfreiheit der Haushalte.

Steuergerechtigkeit ist kein ideologisches Projekt. Sie muss praktikabel, ausgewogen und sozial tragfähig sein. Ein Modell, das neue Ungerechtigkeiten schafft, breite Bevölkerungsschichten stärker belastet und den Verwaltungsapparat aufbläht, ist keine Lösung. Deshalb braucht es ein klares Nein zur Individualbesteuerung und ein Ja zu fairen, familienfreundlichen Steuern.

Gabriele Battiston, Präsident Die Junge Mitte Kanton Zug, Rotkreuz