Als selbstständiger KMU-Unternehmer bin ich es gewohnt, faktenbasiert und effizient zu denken. Was uns jedoch mit der sogenannten Individual- besteuerung als «Fortschritt» verkauft wird, erweist sich bei näherer Betrachtung als massiver Eingriff in bewährte Familienmodelle und als administratives Desaster. Die veröffentlichten Rechenbeispiele zeigen deutlich die Schieflage. Doppelverdiener-Ehepaare mit hohen Einkommen werden spürbar entlastet, schön und gut, nur: Einerverdiener-Familien, das klassische Modell des Mittelstands, werden erheblich schlechter gestellt. Ich sehe das konkret in meiner eigenen Familie. Meine Tochter und ihr Mann haben sich bewusst entschieden, ihre fünf Kinder selbst zu betreuen, anstatt vom Steuerzahler subventionierte Betreuungsangebote in Anspruch zu nehmen. Mein Schwiegersohn ist somit Einerverdiener.

Mit diesem Familienmodell leisten sie einen unbezahlbaren Beitrag für unsere Gesellschaft und für den Zusammenhalt der nächsten Generation. Dennoch würde gerade dieses Engagement durch die Individualbesteuerung massivst benachteiligt. Eine eigenverantwortlich organisierte Familie, die ohne staatliche Unterstützung auskommt, wird faktisch bestraft. Wie kann eine solche Regelung ernsthaft als «Fortschritt» verkauft werden? Es ist nicht Aufgabe des Staates, über das Steuerrecht vorzuschreiben, wie Paare und Familien ihr Leben organisieren. Die Erziehung und Betreuung von Kindern ist Privatsache, kein staatliches Lenkungsinstrument für arbeits- marktpolitische Ziele. Hinzu kommt der enorme bürokratische Aufwand. 1,7 Millionen zusätzliche Steuererklärungen und ein entsprechend wachsender Verwaltungsapparat.

Als Stadtzuger Familien Unternehmer alarmiert mich diese Ineffizienz zutiefst. Selbstverständlich und dringendst braucht es eine Lösung zur Abschaffung der sogenannten Heiratsstrafe, aber nicht um den Preis einer Vorlage, die traditionelle Familien benachteiligt, die Bürokratie ausweitet und primär nur die Doppelverdiener entlastet. Wenn es der Politik nach Jahrzehnten nicht gelingt, eine ausgewogene und faire Lösung zu präsentieren, ist es legitim, diese Vorlage zurückzuweisen. Solidarität leben gegenüber allen Familienmodellen. Darum braucht es am 8. März ein klares Nein zur Individualbesteuerung und den Auftrag für eine wirklich gerechte Lösung für alle.

Benny Elsener, Alt-Kantonsrat, Zug