Drei gelbe Karten – Rot fürs Steuerchaos

Dass die steuerliche Ungerechtigkeit zwischen verheirateten und unverheirateten Paaren endlich beseitigt werden muss, darüber herrscht breite Einigkeit. Doch die Individualbesteuerung ist nicht die Lösung, sonder vielmehr ein neuer Fehler im System. Sie verdient gleich dreimal die gelbe Karte – und am Ende den Platzverweis.

Erstens: Die Individualbesteuerung verlagert gesellschaftspolitische Ziele ins Steuerrecht. Eigentlich soll dieses die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit abbilden – neutral, sachlich und gerecht. Stattdessen wird hier subtil gelenkt: Doppelverdienende Haushalte werden bevorteilt, wahrend Familien mit Kinder oder Alleinerziehende das Nachsehen haben.
Steuerpolitik darf aber nicht zum Instrument werden, um Lebensmodelle zu bewerten oder zu «erziehen». Das ist die erste gelbe Karte.

Zweitens: Die Individualbesteuerung ignoriert die Realitat des Alltags Familien wirtschaften gemeinsam, teilen Verantwortung, tragen Risiken miteinander. Ob Kindererziehung, Pflege, Vorsorge oder Haushaltsbudget
das alles sind gemeinsame Entscheidungen. Wer diesen Haushalt künstlich in Einzelverdiener aufspaltet, erfasst die tatsächliche Leistungsfähigkeit schlicht falsch. Diese Realitätsverweigerung verdient die zweite gelbe Karte.
Drittens: Die Familie ist die zentrale Zelle unserer Gesellschaft, das soziale Fundament, auf dem unser Land ruht. Eine Steuerreform, die sie schwächt und den Zusammenhalt untergräbt, gefährdet diesen Grundpfeiler. Soll der Staat wirklich nur den urbanen Doppelverdiener-Haushalt fördem, während die Familien den Kürzeren ziehen? Das gibt die dritte gelbe Karte.
Ich selbst bin verheiratet und urbaner Doppelverdiener – ich würde also profitieren. Doch drei gelbe Karten ergeben eine rote: Ich sage am 8. März Nein zur Individualbesteuerung. Diese Reform schafft nicht mehr Gerechtigkeit, sondern vertieft die Ungleichheit. Eine wirklich faire Lösung bietet die kommende Abstimmung zur Initiative «Ja zu fairen Bundessteuern» – diese bietet eine einfache, gerechte und zukunftsfähige Lösung

Michael Felber, Die Mitte, Stadt Zug