Die Abstimmung über die Individualbesteuerung erweckt den Eindruck, als handle es sich um eine einfache Modernisierung des Steuersystems. Tatsächlich bedeutet sie jedoch einen tiefgreifenden und teuren Umbau. Heute werden Ehepaare gemeinsam besteuert. Das ist kein alter Zopf, sondern trägt einer einfachen Realität Rechnung: Ehepaare bilden eine wirtschaftliche Gemeinschaft. Wer dies ignoriert, liegt steuersystematisch falsch und öffnet Tür und Tor für «Steueroptimierungen», was zwangsläufig zu mehr Kontrollen und zu mehr Aufwand für die Steuerbehörden führen wird. Besonders stossend: Die Kantone haben die Heiratsstrafe längst abgeschafft – pragmatisch und ohne ein neues Bürokratiemonster zu schaffen. Das geht auch für die Bundessteuer! Ich bin sehr erstaunt, dass ausgerechnet Parteien, die sonst lautstark Bürokratieabbau fordern, die Individualbesteuerung unterstützen. Sie ist kein Fortschritt, sondern ein überhasteter Systemwechsel mit erheblichen Nachteilen für Familien, Kantone und die Steuerzahlenden insgesamt. Ein Nein schützt die Stabilität unseres Steuersystems, verhindert neue Bürokratie und spart Kosten.
Adrian Nussbaum, Hochdorf, Steuerexperte, Kantonsrat und Fraktionspräsident die Mitte
