Stellen Sie sich vor, Sie sitzen am Abend mit Ihrem Partner am Küchentisch. Man spricht über die Kinder, das Haus oder den nächsten Urlaub. Und plötzlich verlangt der Staat von Ihnen, dass Sie beginnen, alles ganz genau zu trennen: Wer zieht die Kinderbetreuung ab? Wem gehören wie viele Prozent der Hypothek? Wer hat welchen Versicherungsbeitrag bezahlt? Was heute als gemeinsame Verantwortung gilt, wird mit der Individualbesteuerung zu einer administrativen Zerreissprobe. Aus dem «Wir» wird ein «Ich und Du» erzwungen durch das Steuerformular. Wenn wir im Kanton Zug zueinander Ja sagen, dann meinen wir das ernst. Wir entscheiden uns für Vertrauen, für Zusammenhalt und für eine gemeinsame Lebensführung. Die Ehe ist keine Zweckgemeinschaft, sondern eine Solidargemeinschaft. Die Individualbesteuerung stellt dieses Fundament infrage. Sie behandelt Ehepartner wie zwei wirtschaftlich unabhängige Einzelpersonen, die zufällig unter demselben Dach leben. Das ist kein Fortschritt – das ist ein staatlich verordnetes Misstrauengegenüber der Ehe. Verstehen Sie mich nicht falsch: Das aktuelle System nervt. Die «Heiratsstrafe» ist unfair und gehört abgeschafft. Es ist richtig und wichtig, dass sich Arbeit für beide Partner lohnt. Wer mehr arbeitet, darf nicht durch eine höhere Steuerprogression bestraft werden. Ebenso müssen moderne Familienmodelle unterstützt werden – sei es Teilzeitarbeit, Teilerwerb oder der Wiedereinstieg von Müttern und Vätern, die ihre Kinder gemeinsam erziehen möchten, ohne in traditionellen Rollen abgestempelt zu werden. Doch die Individualbesteuerung ist dafür der falsche Weg. Sie löst ein Problem, indem sie viele neue schafft. Sie produziert Bürokratie, sie zwingt Paare zu internen Abrechnungen und macht Familien zu Buchhaltern im eigenen Haushalt. Statt Vertrauen zu stärken, sät sie Konflikte – am Küchentisch ebenso wie in der Verwaltung. Es gibt bessere Lösungen. Das Splitting-Modell schafft die Heiratsstrafe ab, ohne das Ehepaar als Einheit aufzulösen. Es verbindet Fairness mit Freiheit und respektiert die gemeinsame Lebensrealität von Familien. Genau solche intelligenten Reformen brauchen wir – nicht ein steuerpolitisches Experiment mit ungewissem Ausgang. Die Individualbesteuerung wirft zudem zahlreiche Folgefragen auf, die weit über die Steuerpolitik hinausgehen und bis heute nicht überzeugend beantwortet sind. Wir von der Mitte und der Jungen Mitte setzen uns dafür ein, diese Herausforderungen ernsthaft und ganzheitlich anzugehen. Denn eines ist klar: Ein komplexes Problem verdient eine durchdachte Lösung – keine ideologisch motivierte Schnellreparatur. Sagen wir deshalb am 8. März Nein zur Individualbesteuerung. Nicht aus Stillstand, sondern aus Verantwortung. Nicht gegen Fortschritt, sondern für eine bessere Lösung. Für unsere Familien, für den gesellschaftlichen Zusammenhalt – und für einen Kanton Zug mit gesundem Menschenverstand.
Raffael Ferreira, Menzingen
