Individualbesteuerung: Es gibt einen besseren Vorschlag

Wir brauchen endlich ein Steuersystem, das fair ist und verheiratete Paare nicht länger benachteiligt. Ich setze mich seit jeher für Gleichstellung und Fairness ein – aus Überzeugung. Gerade deshalb lehne ich die Individualbesteuerung ab. Sie blendet aus, wie Familien und Ehepaare heute tatsächlich leben. Verantwortung, Erwerbsarbeit, Care-Arbeit und Einkommen werden in vielen Familien gemeinsam getragen – und genau diese Realität muss ein faires Steuersystem abbilden. Von der Individualbesteuerung profitieren vor allem Topverdienende mit gleich hohen Arbeitspensen. Viele Familien und Ehepaare mit mittleren Einkommen und ungleichen Pensen verlieren. Das betrifft etwa Menschen, die nach einer Familienpause mit einem tieferen Pensum wieder ins Berufsleben einsteigen, im eigenen Landwirtschaftsbetrieb mitarbeiten oder ihr Pensum reduzieren, um betagte Eltern zu betreuen. Zu behaupten, die Individualbesteuerung bringe automatisch mehr Frauen in den Arbeitsmarkt, verkennt diese Realität. Erwerbsarbeit lässt sich nicht allein über Steuersätze steuern. Entscheidend sind Betreuung, Vereinbarkeit und echte Wahlmöglichkeiten. Egal, welches Modell eine Familie oder ein Ehepaar wählt: Dafür darf man nicht steuerlich bestraft werden. Gerechtigkeit heisst auch Wahlfreiheit. Diese Lebensrealitäten machen den Mittelstand aus – ihn müssen wir entlasten, nicht zusätzlich finanziell belasten. Die Mitte hat einen gezielten Vorschlag vorgelegt, um die Benachteiligung verheirateter Paare bei der Bundessteuer zu beheben. Stattdessen wird nun ein teurer Systemwechsel dem Volk vorgelegt – mit hohem administrativem Aufwand und tiefgreifenden finanziellen Folgen für Kantone und Gemeinden. Die Hauptlast tragen am Ende die Gemeinden. Und nein: Digitalisierung ist kein Allheilmittel. Ein Nein zur Individualbesteuerung ist deshalb kein Stillstand, sondern Verantwortung. Schaffen wir gemeinsam Raum für eine einfachere, gerechtere und weniger bürokratische Lösung – für die gesamte Bevölkerung, in Stadt und Land.

Karin Stadelmann, Kantonsrätin die Mitte, Luzern